Lesebüdel

Ich habe heute auf meinem Kobo ein Buch ausgelesen, welches im Moment den Platz eins in meiner Histo-Wertung für 2014 einnehmen wird. Obwohl ich bei historischen Krimis eigentlich eher so die Zeit bis 1600 bevorzuge.

Cay Rademacher – Der Trümmermörder

(Klick auf den Buchtitel führt zur Verlagsseite)

Der Fall, der in diesem Buch bearbeitet wird, ist an sich historisch. Es hat wirklich einen Trümmermörder gegeben, der im Winter 1946/1947 vier Menschen so getötet hat.

Cay Rademacher hat ihn für seine Geschichte verwendet. Dieser Winter war unheimlich kalt und hart, besonders in einer zerbombten Stadt in einem Land, wo es kaum genug zu Essen und zu Heizen gibt. Cay Rademacher schildert dieses Umstände genau. Auch wenn ich schon gelesen habe, daß manchem das zu genau war… der Autor hat mit diesem durchaus düsteren Krimi Bilder geschaffen, die mich beeindruckt haben.

Ich habe schon Bilder von zerbombten Städten gesehen und natürlich blutet mir auch das Herz, wenn ich in meiner Stadt Bremen durch eine alte Postkarte zum Beispiel sehe, was da verloren gegangen ist. Oder wenn ich von der Weserbrücke auf die Altstadt gucke und die Lücke sehe, die dadurch entstanden ist, daß irgendein Depp beschlossen hat, die Ansgari-Kirche komplett abzureißen (wobei ich gelesen habe, die Kirche sei nicht so schwer beschädigt gewesen, daß sie nicht wieder hätte aufgebaut werden können). Es fehlt ein Turm im Bild.

Hamburg kenne ich von damals nicht so gut, wobei mir die Stadt natürlich vertraut ist, ich bin ja schon oft genug da gewesen. Cay Rademacher fügt hier nun eine Dimension hinzu: Man hat hier nicht nur ein Foto von Ruinen, die Protagonisten lassen einen deutlich spüren, wie schwer und bitter das Leben in einer zerstörten Stadt unter fremder Verwaltung gewesen ist. Und das macht, neben dem durchaus spannenden Kriminalfall, diesen Krimi zu was besonderem.